Digitale Förderung geht weiter

Ein nun fest angestellter Medienpädagoge begleitet Kinder und Jugendliche im Geschäftsbereich Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung St. Franziskus im Umgang mit Smartphone & Co. Gerade für junge Menschen mit Förder- und Entwicklungsbedarf ist Orientierung in der digitalen Welt wichtig. Themen wie Risiken auf sozialen Plattformen oder durch KI und Fake News sind hochaktuell. Passend dazu wird neuerdings auch Demokratiebildung angeboten.

Es war ein Glücksfall für die Stiftung St. Franziskus, als vor drei Jahren dank der Förderung der Lotterie GlücksSpirale erstmals die Stelle eines Medienpädagogen in der Kinder- und Jugendhilfe besetzt werden konnte. Es war und ist noch immer ein Vorreiterprojekt. Denn digitale Technik ist zwar weiter unaufhaltsam auf dem Vormarsch und das Internet längst Teil des Alltags. Doch vor allem die schwächeren Teile der Gesellschaft werden mit den Chancen und Risiken oftmals allein gelassen. Es mangelt an spezialisierten Pädagoginnen und Pädagogen. Hinzu kommt, dass es eine strukturierte Förderung in Sachen Medienerziehung durch die öffentliche Hand derzeit noch nicht gibt.

Die Angebote für Medienpädagogik in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung St. Franziskus sind daher eine Besonderheit. „Ich bin mit Internetspielen aufgewachsen und war früher selbst sehr viel online“, schmunzelt Tobias Günthör, Medienpädagoge bei der Stiftung St. Franziskus. Heute unterstützt er Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien und dem Internet. Dazu gehört Orientierungshilfe bei den vielen Möglichkeiten, aber auch bei den oft unsichtbaren Risiken des Internets. Etwa durch das sogenannte Cybermobbing auf sozialen Plattformen oder bei den beliebten Kurznachrichtendiensten.

Außerdem spielt die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones oder Laptops eine zentrale Rolle in seiner Arbeit. „Es geht vor allem darum, einen bewussten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln“, erklärt Tobias Günthör. Es ließe sich beobachten, dass Kinder und Jugendliche oftmals nicht mehr zwischen realer und digitaler Welt unterscheiden, erst recht nach dem Vormarsch künstlicher Intelligenz. Die junge Klientel in den sozialen Einrichtungen – Schulen und Wohngruppen zum Beispiel – sei besonders anfällig für die Gefahren. Viele kommen aus schwierigen Verhältnissen oder haben Lernschwierigkeiten.

Die Angebote sind auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Als Pädagoge, so Günthör, verfolge er zumeist einen spielerischen Ansatz. Sei es bei der präventiven Arbeit oder bei der kreativen Nutzung der Medien. Mit Hilfe der Medien und des Internets könnten somit auch Stärken und Fähigkeiten aufgebaut und weiterentwickelt werden. Zum Beispiel das Sozialverhalten oder die eigene Kreativität. Dazu gehört es auch, sichere Passwörter zu erstellen. „Ein solch spielerischer Ansatz macht den Kids Spaß, gleichzeitig können sie erkennen, dass es kein Nachteil ist, wenn man nicht den ganzen Tag am Smartphone hängt“, so der Medienpädagoge.

Die Medienpädagogik ist ein noch junges Betätigungsfeld. Gleichzeitig ist der Bedarf gegeben, schließlich ist die Digitalisierung weiter auf dem Vormarsch. Umso glücklicher weiß man sich bei der Kinder- und Jugendhilfe zu schätzen, dass die Stelle des Medienpädagogen trotz Auslaufens der Förderung durch die GlücksSpirale nun fest eingerichtet werden konnte. Wozu weiterhin Drittmittel, etwa durch Spenden, benötigt werden, da öffentliche Mittel für solche Stellen nicht zur Verfügung gestellt werden.

„Es darf nicht sein, dass Kinder und Jugendliche, die in einer sozialen Einrichtung leben, im Umgang mit digitalen und sozialen Medien abgehängt und somit benachteiligt werden“, sagt Matthias Ries, Leiter des Geschäftsbereichs Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung St. Franziskus. Sie verfügt über eine Vielzahl an stationären und teilstationären Angeboten, bei denen derzeit rund 160 junge Menschen betreut werden.

Diese Zielgruppe sei, so Ries, tendenziell eher anfällig dafür, Opfer von Cybermobbing oder Missbrauch via Internet zu werden. Die Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung habe aber gemeinsam mit dem Vorstand des Unternehmens schon frühzeitig erkannt, dass es „fest zu unserer Aufgabe gehören“ müsse, medienpädagogisch zu wirken.

Zumal die Herausforderungen nicht geringer werden, ganz im Gegenteil. Aktuell erlebt die Gesellschaft die vielfältigen Effekte durch den wachsenden Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die Kinder und Jugendlichen weiter zu sensibilisieren, vor allem im Umgang mit falschen Identitäten oder Fake News, ist daher entscheidend.

Zu einem aufmerksamen Umgang mit Informationen beziehungsweise Falschinformationen gehört auch ein Bewusstsein für die demokratische Staatsform und ihre Aspekte. Innerhalb der Medienpädagogik der Stiftung St. Franziskus ist daher neuerdings das Themenfeld Demokratiebildung angegliedert. „Ziel ist es, Angebote zu schaffen, die es den Jugendlichen ermöglichen, positive Verknüpfungen mit dem Begriff Demokratie herzustellen und Politik erfahrbar zu machen“, erklärt Tobias Günthör. Da die Auseinandersetzung mit politischen Themen in den jeweiligen Lebenswelten ohnehin bereits geschieht, sei das eine hervorragende Ergänzung zum medienpädagogischen Angebot. Als Medienpädagoge gestaltet er beispielsweise Unterrichtseinheiten zu diesem Thema, vor allem in den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) der Stiftung St. Franziskus.

 

Medienpädagoge Tobias Günthör begleitet Kinder und Jugendliche der Stiftung St. Franziskus dabei, digitale Medien bewusst zu nutzen, Risiken wie Cybermobbing oder Fake News zu erkennen und sich sicher in der digitalen Welt zu orientieren.
Medienpädagoge Tobias Günthör begleitet Kinder und Jugendliche der Stiftung St. Franziskus dabei, digitale Medien bewusst zu nutzen, Risiken wie Cybermobbing oder Fake News zu erkennen und sich sicher in der digitalen Welt zu orientieren.
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