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älterer Mann und Pflegerin lesen gemeinsam in der Zeitung

Stiftung für den Ernstfall gut gewappnet

Dr. Pieter Minden-Bacher dirigiert die Bewohner*innen
Dr. Pieter Minden-Bacher am Klavier

Musiklehrer Dr. Pieter Minden-Bacher beim „Hofkonzert“ im Luise-Poloni-Heim in Tübingen. Foto: stitung st. franziskus heiligenbronn

In einer weiteren Sitzung des Krisenstabs wurden in der stiftung st. franziskus heiligenbronn für alle Einrichtungen der Altenhilfe, der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe präventiv konkrete Maßnahmen festgelegt, falls es zu ersten Corona-Erkrankungen kommen sollte. Man sieht sich so in allen Bereichen für den Ernstfall gut vorbereitet.

In den Häusern der Altenhilfe stehen durch die gesetzliche Schließung der Tagespflegeeinrichtungen Räume in allen Häusern leer. Diese Räume bieten somit die Möglichkeit infizierte Personen unterzubringen und sie von anderen Bewohnern isoliert zu versorgen. Im ersten Schritt werden nun die Räume im Altenzentrum St. Anna in Tuttlingen für mögliche Infizierte umgerüstet und mit notwendigen Hilfsmitteln ausgestattet. 10 Betten sollen entstehen und sind bald einsatzbereit. Weitere Räume, wie z.B. im Schwenninger Franziskusheim, könnten im Bedarfsfall mit 15 weiteren Betten dazu genommen werden. Der Zugang zu den Räumen wird mit einer professionellen Desinfektion- und Hygiene-Schleuse versehen, um die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Um die Pflege von Infizierten kümmert sich im Ernstfall ein eigens zusammengestelltes Team aus 10 Fachkräften, die sich für eine eventuelle Versorgung von Corona-Infizierten freiwillig gemeldet haben. Sollte dies personell nicht ausreichen, stehen viele weitere Freiwillige in den Startlöchern. „Die Hilfsbereitschaft und Solidarität unter den Mitarbeiter*innen ist überwältigend und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit“, erklärt Boris Strehle, Aufgabenfeldleiter der Altenhilfe. Das „Corona-Team“ wird ab dem ersten Infektionsfall tätig und dann nur im Bereich der Infizierten in Wechselschichten eingesetzt. Auch ein Transporter zur möglichen Beförderung infizierter Bewohner*innen in eines der beiden Häuser ist vorbereitet. Durch ein Fenster könnten Infizierte sogar den Kontakt zur Familie aufrechterhalten. Denn neben all den medizinisch notwendigen Vorkehrungen darf vor allem das Menschliche nicht zu kurz kommen und es wird weiterhin alles gegeben, um lieb gewonnene Abläufe des Alltags in allen Altenzentren so gut es geht beizubehalten. Im Luise-Poloni-Heim in Tübingen spielte der Musiklehrer Dr. Pieter Minden-Bacher auf dem Innenhof Lieder auf dem Klavier, um die Singstunde aufrecht zu erhalten. Oder im Altenzentrum St. Josef in Spaichingen, wo die Ehrenamtliche Renate Ehrenfried, auch als Familienhelferin beim Jugendamt des Landkreises Tuttlingen tätig, die Initiative ergriffen hat und sich zusammen mit den Blasmusikern Uwe Lodahl, Lehrer des Gymnasium Spaichingen, sowie Ernst Merkel, Mitglied der Alphorn-Bläser Spaichingen, in den Hof des Altenzentrums gestellt und mit den Bewohner*innen bekannte Volkslieder gesungenum mit den Bewohner*innen auf den Balkonen bekannte Volkslieder zu singen. Es sind Situationen wie diese, die allen Kraft und Zuversicht geben.

In der Behindertenhilfe wurde die Kohorten-Isolierung der Altenhilfe ebenfalls intensiv diskutiert. „Am Ende fiel allerdings die Entscheidung, potentiell Infizierte soweit als möglich in deren Zimmer zu isolieren um den gewohnten Alltag nicht noch weiter zu verändern. Durch die gesetzlich angeordnete Schließung des Förder- und Betreuungsbereichs sowie der Werkstätten für Menschen mit Sinnesbehinderung sind ja bereits wichtige Tagesstrukturen weggebrochen, was viele Bewohner*innen stark verunsichert, erklärt Nicole Bauknecht, Aufgabenfeldleiterin der Behindertenhilfe. Die Wohngruppe selbst würde im Falle eines Infizierten unter Quarantäne gestellt, es müsste dann intern alles versucht werden Infizierte von den noch gesunden Bewohner*innen zu trennen. „Ich bin sehr dankbar, wie flexibel und offen sich die Mitarbeiter*innen auf diese sicherlich sehr anspruchsvollen Szenarien einstellen“, meint Nicole Bauknecht.

Beim Sozialdienst bemüht man sich um Alternativen zur bisherigen Freizeitgestaltung. Das für Menschen mit Sehbehinderung wichtige Info-Telefon wurde um zwei neue Nummern erweitert, die Anregungen und Ideen für jeden Tag geben wie z.B. Tipps gegen Langeweile, Zungen-Brecher und gute Nachrichten aus aller Welt. Aber auch Informationen zu Corona und allen damit einhergehenden Veränderungen sind im Angebot. So können sich Bewohner*innen bei Bedarf selbst informieren oder sich einfach unterhalten lassen.

In der Kinder- und Jugendhilfe sieht man sich aufgrund der Krise mit vor allem zwei unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen wurden Vorkehrungen getroffen, um eine Corona-Station in der verwaisten Kindertagesstätte David-Fuchs-Haus in Villingen-Schwenningen einzurichten, um auch hier mögliche infizierte Kinder und Jugendliche von den anderen Wohngruppen isolieren und betreuen zu können. Eine zweite Herausforderung stellt die häusliche Gewalt dar, die aufgrund der Ausgeh- und Arbeitsverbote der Regierung in überforderten Familien zunehmen wird. „Es kann zu vermehrter Gewalt gegenüber Kindern kommen“, erklärt Matthias Ries, Aufgabenfeldleiter der Kinder- und Jugendhilfe. „Hier muss die Gesellschaft sehr wachsam sein und es gilt Schutzorte zu schaffen“, führt Ries weiter aus. Kindern fehlt ein Ausgleich. Sie verbringen nun den ganzen Tag zuhause mit ihren Eltern ohne jegliche Freizeitangebote und Schule. Innerhalb der Inobhutnahmen können junge Menschen im Alter von 3 bis 16 Jahren in Notsituationen vorübergehend in Wohngruppen aufgenommen werden. Erste Hilferufe gab es bereits. In der Alban-Dold-Straße hat man daher in einem Haus der Stiftung Gruppen zusammengelegt, so dass ein anderes Haus für zukünftige Inobhutnahmen zur Verfügung steht. Auch dazu wird eigens ein neues Team aus Fachkräften zusammengestellt, was dank freiwilligen Mitarbeiter*innen möglich ist.

Große Sorge angesichts der Corona-Situation herrscht unter der Klostergemeinschaft, für die stellvertretend Sr. Dorothea im Krisenstab sitzt. Der Großteil der Schwestern ist älter als 65 Jahre und zählt somit zur Risikogruppe, weshalb der Durchgang zum Pflegebereich des Klosters vorübergehend geschlossen wurde und alle Schwestern möglichst wenig Außenkontakte pflegen und keinen Besuch empfangen. „Wir werden jetzt durch die Coronakrise ein kontemplativer Orden“, erklärt Sr. Dorothea mit einem Lächeln.

Für alle Fragen der Öffentlichkeit aber auch der Mitarbeiter*innen der Stiftung rund um das Thema Corona, zum Beispiel auch in arbeitsrechtlichen Fragen, wurde extra eine Hotline eingerichtet. Seit Einrichten der Hotline gab es allerdings nur noch wenige Anrufe, was zeigt, dass die notwendigen Informationen durch ausführliche Pressemeldungen, E-Mails und die interne Kommunikation durch den Krisenstab fließen und ankommen.