Historisches Bild: Blick in den Unterricht von Kindern mit Hörschädigung
Logos von Kloster Heiligenrbonn und Stiftung

Unterstützung für ehemalige Heimkinder

Franziskanerinnen von Heiligenbronn und Stiftung St. Franziskus
bekennen sich zur Verantwortung für Heimkinderzeit (1949 – 1975)

2017 haben die Bundesregierung, die Bundesländer und die beiden großen Kirchen und deren Verbände die „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ gegründet. Diese Stiftung richtet sich an Menschen, die im Kinder- und Jugendalter Leid und Unrecht in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie psychiatrischen Einrichtungen erfahren haben und auch heute noch unter deren Folgen leiden. Sie bietet Beistand in Form von Gesprächen, bei Bedarf auch unterstützt von Gebärdendolmetschern, finanzielle Hilfen sowie öffentliche Anerkennung und Aufarbeitung. Hierfür wurden in jedem Bundesland spezielle Beratungsstellen errichtet. Anträge können bei der „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ noch bis zum 31. Dezember 2020 gestellt werden.

Das Kloster Heiligenbronn und die Stiftung St. Franziskus als dessen Rechtsnachfolger in den sozialen Aufgaben bekennen sich zur Verantwortung für Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen ehemaliger Kinder und Jugendlicher in der Heimerziehung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ehemaligen Heimkindern oder den von ihnen bevollmächtigten Personen wird seitens des Klosters und der Stiftung St. Franziskus Hilfe und Einsicht bei der Aktenrecherche, der Ausstellung von Bescheinigungen und der Antragstellung angeboten. In rund 100 Fällen ist diese Hilfe in den vergangenen Jahren bereits erfolgt, einschließlich des inzwischen abgeschlossenen Projekts „Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949-1975“ zu Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Auch gibt es das Angebot, dass ehemalige Heimkinder mit einer Ordensschwester oder einem beauftragten Stiftungs-Verantwortlichen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse sprechen können (Kontaktdaten s.u.).

Bundesweit fanden viele bedürftige Kinder und Jugendliche nach dem Zweiten Weltkrieg Aufnahme und Unterstützung in Kinder- oder Waisenheimen, auch in Heimen der Behindertenhilfe. Die meisten Heime waren in Trägerschaft von konfessionellen Trägern, gerade auch von Ordensgemeinschaften. Der Alltag einiger Heimkinder war von großem Leid und Unrecht geprägt. Dieses kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Der Ordensgemeinschaft von Heiligenbronn und der Stiftung St. Franziskus ist es wichtig, sich mit den Ereignissen von damals auseinanderzusetzen und von Unrecht betroffenen ehemaligen Heimkindern die größtmögliche Unterstützung zu bieten.

Betroffene schildern, dass sie bis heute unter den Folgen von Gewalt oder Missbrauch aus der Heimkinderzeit leiden. Das zeigt sich unter anderem an Angst- und Schlafstörungen, an Depressionen oder anderen Krankheitsbildern.

Nach 1945 litten die Heimeinrichtungen unter einer eklatanten Mangelsituation. Es fehlte an Nahrung, an Heizmaterialien, aber auch an Fachkräften. Es gab Heime, in denen mehr als 30 Kinder in einem Schlafsaal untergebracht waren mit nahezu keinerlei Privatsphäre. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts basierten Erziehung und Betreuung vielfach auf einem Verständnis von Härte, Disziplin, Kontrolle und Bestrafung, in dem auch körperliche Gewalt, Züchtigung und Arrest als Erziehungsmittel eingesetzt wurden.  

Aus heutiger Sicht – gerade mit Blick auf den Selbstanspruch in katholischen Einrichtungen – ist nicht nachvollziehbar, wieso eine auf dem Evangelium basierende Erziehungs- und Betreuungsarbeit Mittel und Instrumente einsetzte, die dem christlichen Menschenbild und christlichen Wertvorstellungen wie Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe zutiefst widersprechen.

Für die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Heiligenbronn und der Stiftung St. Franziskus ist es wichtig, die damaligen Ereignisse genau anzuschauen und sie in einen entsprechenden historischen und sozialen Kontext einzuordnen. Die Schwestern möchten ehemaligen Heimkindern, die in Einrichtungen der Franziskanerinnen von Heiligenbronn lebten und dort aufgrund von Verfehlungen Einzelner Unrecht erfahren haben, bei der Verarbeitung des Erlebten unterstützen. Die Schwestern und die Stiftung St. Franziskus bedauern zutiefst etwaige Verfehlungen und bitten die Betroffenen um Verzeihung.

Seit dem 16.03.2016 besitzt die Stiftung St. Franziskus ein institutionelles Schutzkonzept um etwaige Gewalt- oder Missbrauchstaten präventiv zu verhindern. Klienten*innen und Mitarbeiter*innen werden umfassend in Präventionsthemen geschult und sensibilisiert. All dies liegt in den Händen einer hauptamtlichen Präventionsbeauftragten, die stiftungsweit eingesetzt ist.

Mit dem Vikar David Fuchs, der 1856 die ersten Franziskanerinnen nach Heiligenbronn gerufen hatte, begann die Aufnahme von bedürftigen Kindern und Waisen. Gerade in der Begleitung und Unterstützung von sinnesbehinderten Kindern erwarben sich die Franziskanerinnen hohe Anerkennung. Anfang 1957, als das Kloster 100-jähriges Jubiläum feierte, gehörten 315 Ordensfrauen zum Kloster, davon 172 in Heiligenbronn. In ihren pädagogischen Einrichtungen wurden die Schwestern unterstützt von etwa 40 weltlichen Mitarbeiter*innen. 1957 wurden in den Einrichtungen des Klosters ca. 630 Kinder und Jugendliche betreut. Die vom Kloster Heiligenbronn geführten Einrichtungen waren damals die Heimsonderschulen für Gehörlose und Schwerhörige sowie für Blinde und Sehbehinderte in Heiligenbronn, das Mädchenheim Heiligenbronn, das Knabenheim St. Antonius in Waldachtal-Heiligenbronn und das Kinderheim St. Josef in Baindt. Im Kinderheim St. Josef in Neuhausen/Fildern, das von einem Verein getragen wurde, waren ebenfalls Heiligenbronner Schwestern tätig.

Nachdem in den 80er Jahren die Zahl der Schwestern immer kleiner wurde und die Arbeit der Franziskanerinnen nicht mehr alleine verantwortet werden konnte, rief 1991 der damalige Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Dr. Walter Kasper, die Stiftung St. Franziskus ins Leben, die fortan für die vielen verschiedenen sozialen Aufgaben der Franziskanerinnen verantwortlich wurde.
 

Als Ansprechpartner stehen ehemaligen Heimkindern zur Verfügung:

Zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsfragen ist:

Harald Blocher, Leiter Referat Kommunikation
harald.blocher@stiftung-st-franziskus.de

 

Weitere Infos für Hilfe und Unterstützung: