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was sich in der Stiftung tut.

älterer Mann und Pflegerin lesen gemeinsam in der Zeitung

Oberste Priorität hat der Schutz und die Unterstützung der Menschen

Der Krisenstab in angemessener Sitzungsatmosphäre

Der Krisenstab aus Vertretern aller Aufgabenfelder, Referatsleitungen, MAV und Vorstand trifft sich regelmäßig und sucht Lösungen. Foto: stiftung st. franziskus heiligenbronnn

In der stiftung st. franziskus heiligenbronn konzentrieren sich in Zeiten der Corona-Pandemie alle Kräfte der 2.500 Beschäftigten auf den optimalen Schutz und die Unterstützung der 6.000 betreuten Menschen. Ein Krisenstab aus Vertretern aller Aufgabenfelder, Referatsleitungen, MAV und Vorstand trifft sich regelmäßig und sucht Lösungen, die bisher eingespielten Prozesse in allen Häusern der Altenhilfe, der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe neu zu strukturieren, angesichts täglich neuer Forderungen und Auflagen der Politik. 

„Aktuell hat der bestmögliche Schutz unserer Klienten*innen oberste Priorität. Andere Projekte, die bisher wichtig und elementar zu sein schienen, ordnen sich dem Thema Corona komplett unter. Alle Mitarbeiter*innen gehen täglich an ihre Grenzen, ob in der Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft oder Verwaltung und arbeiten direkt oder indirekt daran, die Sicherheit für Klient*innen und Mitarbeiter*innen gleichermaßen zu gewährleisten. Ein täglicher Kraftakt.“, meint Harald Blocher, Leiter des Referates Kommunikation.

Vergleichsweise kleine Herausforderungen waren die strengeren Vorschriften zur Einhaltung einer maximalen Hygiene. In hochsensiblen Bereichen wie beispielsweise in der Altenhilfe sind gründliches Händewaschen und das Einhalten der korrekten Husten- und Niesetikette Selbstverständlichkeiten. Ein notwendiger Mindestabstand von 1,5 Meter mag in der Verwaltung noch umsetzbar sein: Mitarbeiter*innen arbeiten wo möglich isoliert in Einzelbüros oder haben sich in Schichten so organisiert, dass immer eine Notbesetzung pro Abteilung vor Ort arbeitet und der Rest im Home-Office bleibt. Letzteres ist für manche noch ungewohnt, für alle aber dank mobiler Endgeräte, die für viele Mitarbeiter der Verwaltung Standard sind, nun auch auf die Schnelle möglich. Manch einer kämpft mit schlechtem Mobilfunknetz am Wohnort, mangelndem Festnetz-Gerät oder fehlendem Bildschirm, so dass diese Woche einige Mitarbeiter*innen den Bildschirm vom Arbeitsplatz unterm Arm hatten, um sich zuhause provisorisch einzurichten. 

In den Pflegeeinrichtungen dagegen kann zwischen Betreuer*innen und Klient*innen kein Mindestabstand eingehalten werden. Menschen müssen aus Betten gehoben, zur Toilette begleitet, angezogen oder mit Nahrung versorgt werden. „Im Gegenzug zur Wirtschaft kann bei uns keine Produktion stillgelegt werden – ob mit oder ohne Corona brauchen alle Klient*innen rund um die Uhr Betreuung und Pflege.“, so auch Vorstand Stefan Guhl. „Wichtig ist uns aber, dass unsere Fachkräfte mit notwendigen Schutzkleidungen und Schutzmasken ausgestattet sind“, so Guhl weiter.

Im ständigen Austausch mit Politik und Spitzenverbänden
Mit Hochdruck arbeitet der Führungsstab daher an möglichen Schutzschirmen auch für die Sozialwirtschaft und kommuniziert dazu laufend mit Vertretern der Spitzenverbände und Politik. Denn zu viele offene Fragen stehen momentan ungeklärt im Raum. Mit der Kinderbetreuung allein gelassene und überforderte Familien könnten vermehrte Inobhutnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe zur Folge haben. Es drohen aufgrund gesetzlich angeordneter Schließungen von Einrichtungen Kürzungen oder Aussetzungen von Vergütungen für die jeweiligen Leistungserbringer, was Arbeitsplätze gefährdet. Die Stiftung unterstützt die Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg an die Politik. Der Verband weist darauf hin, dass gemeinnützige Träger anders als kommerzielle Anbieter kaum Risikorücklagen bilden dürfen. „Die Stiftung kämpft dafür, dass die vereinbarten Entgelte mit den Leistungs- und Kostenträgern auch während der Corona-Krise weiterhin bezahlt werden, auch wenn einzelne Einrichtungen gemäß Infektionsschutzgesetz vorübergehend geschlossen werden. Es darf nicht sein, dass Sicherungssysteme, die für die Schwächsten der Gesellschaft existentiell sind, gerade in der Corona-Krise gekürzt werden“, macht Vorstand Dr. Thorsten Hinz deutlich. 

Schließungen der Läden am Standort Heiligenbronn
Schon seit Längerem hat die Stiftung alle hofeigenen Verkaufsstellen in Heiligenbronn wie Hofladen, Café Chiara, Wallfahrtsladen, Bäckerei und Korb- und Bürstenmacherei bis vorerst 30. April geschlossen, um keine zusätzlichen Viren durch externe Besucher*innen von außen aufs Gelände zu tragen. Für Mitarbeiter*innen wird es ab der kommenden Woche zu bestimmten Stunden einen Verkauf im Hofladen geben, allerdings mit eingeschränktem Sortiment, nur gegen bargeldlose Bezahlung mit der Mitarbeiterkarte und mit strengen Hygiene- und Präventionsregeln. Alle Mitarbeiter*innen außerhalb Heiligenbronns können sich die Waren wie bisher auch auf Bestellung an ihren jeweiligen Standort liefern lassen. Die Hauswirtschaft versorgt wie gewohnt alle Küchen, so zum Beispiel auch die große Kantine am Standort Heiligenbronn. Tische wurden so gestellt, dass der erforderliche Mindestabstand gut eingehalten werden kann, alle sitzen weit gestreut. 

Für viele Klient*innen bedeuten all diese Veränderungen ihrer gewohnten Abläufe massive Einschnitte in ihr Leben. Durch Einzelgespräche mit der Seelsorgerin, bedarfsgerechte Erklärungen und viel Sensibilität aller Pflegekräfte versucht man in den Behinderteneinrichtungen möglichst viel Verunsicherung der Klienten*innen abzufangen. Laufend werden so viele Informationen wie möglich in so genannte Leichte Sprache übersetzt, versehen mit einfachen Symbolen, um auch den Klienten*innen mit Behinderung an den Entwicklungen teilhaben zu lassen sowie Angst und Verunsicherung zu nehmen. 

Doch es gibt inmitten der Krise auch in der stiftung st. franziskus heiligenbronn positive Veränderungen: Abteilungen helfen sich gegenseitig, die Solidarität über alle Aufgabenfelder hinweg wächst, das Miteinander überwiegt aktuell über alle Unterschiedlichkeiten. Digitale Meeting-Instrumente halten Einzug, Abläufe und Prozesse werden verschlankt, Hierarchien bauen sich ab, da man sich dynamisch und flexibel an geänderte Prozesse anpassen muss. Die letzte Folie der Erklärung „Corona in leichter Sprache erklärt“ schließt mit den Worten „Eine Zeitlang müssen wir alle etwas vorsichtiger sein und weniger Kontakt zu anderen Menschen haben. Aber das geht vorbei und bald ist alles wieder wie gewohnt.“ Nicht nur für die Klienten*innen steckt in diesem Satz aktuell eine große Hoffnung und Zuversichtlichkeit.