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älterer Mann und Pflegerin lesen gemeinsam in der Zeitung

Vortrag „Euthanasie und Zwangssterilisierungen“

Historisches Luftbild von Heiligenbronn aus dem Jahr 1932

Historisches Luftbild von Heiligenbronn aus dem Jahr 1932

Für Mittwoch, 27. Januar, den offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland, hatte die Stiftung ursprünglich gemeinsam mit der Stadt Schramberg eine Vortragsveranstaltung in Heiligenbronn im Elisabetha-Glöckler-Saal geplant. Diese kann jetzt nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden. Er wird jedoch als Livestream im Internet zum vorgesehenen Zeitpunkt am Mittwoch, 27. Januar, um 19 Uhr stattfinden.

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr wird zur Begrüßung ein paar Worte sprechen. Vorstand Dr. Thorsten Hinz und Stiftungsarchivar Ewald Graf referieren dann über den „Umgang mit ,lebensunwertem Leben'“ während der Nazi-Diktatur allgemein und am Beispiel Heiligenbronn.

Zum Inhalt der Vorträge:
Dr. Thorsten Hinz spricht über die Sichtweise des Nationalsozialismus auf Menschen mit Behinderung und wie ihnen das Recht auf Familie oder das Recht auf ihr Leben abgesprochen wurde, zunächst mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ 1933, schließlich mit den als „Aktion Gnadentod“ betitelten Euthanasie-Morden. Er zeigt die juristischen und politischen Folgen dieser NS-Haltung und -Praxis auf und wie sich die rassenideologische, abwertende Sicht auf Behinderung und Erkrankung in Sprache wie Handeln niedergeschlagen hat. Auch die Bundesrepublik tat sich in der Folge bei der Frage der Wiedergutmachung bzw. Entschädigung dieser Opfer sehr schwer und erkannte z. B. erst spät die in der NS-Zeit zwangssterilisierten Menschen als Opfer an. 

Ewald Graf stellt die neuesten Aktenrecherchen zu den Heiligenbronner Schülern und Bewohnern in den Klostereinrichtungen dieser Zeit vor, die inzwischen erstmals vollständig erfasst wurden dank der ehrenamtlichen Mitarbeit von Frau Iris Riedlsperger. Unter ihnen waren mehr Opfer der NS-Ideologie, als bisher angenommen. Herr Graf berichtet vom Umfang der Zwangssterilisierungen an sogenannten erbkranken oder geistesschwachen Betreuten, dem Vorgehen der NS-Behörden anhand vieler Beispiele, der Haltung des Klosters und seiner Superioren sowie der Verbindung Heiligenbronns zu den Euthanasiemorden auf Schloß Grafeneck.

Die Vorträge sollen dazu beitragen, diese Opfer der NS-Zeit aus den Klostereinrichtungen nicht zu vergessen und an ihr erfahrenes Leid und Unrecht zu erinnern – als Auftrag für die Zukunft, hier sensibel zu bleiben für neuerliche Gefährdungen. Die Dauer der Veranstaltung ist mit etwa 90 Minuten geplant bis etwa 20.30 Uhr.

Anmeldung:
Wer am Livestream teilnehmen möchte von seinem PC, Notebook, Tablet oder Handy aus, muss sich bei der Stadt Schramberg anmelden: E-Mail info@schramberg.de oder Telefon 07422 29-215.
Es wird ein Link zugeschickt, über den man sich am Mittwoch, 27.1., kurz vor Beginn des Vortrags einwählen kann. Die Anmeldung sollte über das Gerät erfolgen, über das man dann auch zuhören wird. Während des Vortrags besteht für die Teilnehmer auch Gelegenheit, per Chat Rückfragen zu stellen, auf die nach Möglichkeit am Ende des Vortrags eingegangen wird.