Häufig gestellte Fragen zu den Hilfen für behinderte Menschen

Aus welchem Umkreis kommen die Bewohner und Schüler der Stiftung?
Die erwachsenen Bewohner mit Behinderung kommen aus ganz Deutschland, die meisten aus Baden-Württemberg. Hier gibt es auch keine Einschränkungen. Ein Mensch mit Behinderung oder seine Betreuer können sich die Einrichtung aussuchen - wenn die dort erbrachten Leistungen dem Einzelfall angemessen sind.
Anders ist es bei den Schulen und den von den Förderzentren erbrachten Leistungen wie Beratung und Frühförderung. Hier ist Baden-Württemberg in Beratungs- und Schulbezirke eingeteilt. Das Förderzentrum Hören und Sprechen ist zuständig für hörgeschädigte Kinder aus sechs Landkreisen. Das Förderzentrum Sehen und die Schule für Blinde und Sehbehinderte Baindt sind zuständig für blinde und sehbehinderte Kinder aus 13 Landkreisen. Das Förderzentrum Sehen in Heiligenbronn betreut außerdem taubblinde und hörsehbehinderte Kinder in ganz Baden-Württemberg.

Haben die Menschen in Heiligenbronn ihre Behinderung von Geburt an?
Das ist unterschiedlich. Es gibt bei allen Behinderungsarten in der Stiftung Menschen, die ihre Behinderung von Geburt an hatten. Andere haben sie durch Krankheit oder Unfälle erhalten, oft schon im Kindesalter. Bei mehrfachen Behinderungen kommt es ebenfalls vor, dass zu einer schon vorhandenen Behinderung eine andere dazukommt so wie beim Usher-Syndrom gehörlose Menschen zusätzlich langsam erblinden können. Verallgemeinerte Antworten kann man schlecht geben. Jede Behinderung wirkt sich individuell ganz verschieden aus.

Bekommen die behinderten Kinder hier einen Schulabschluss und was für Möglichkeiten haben sie nach der Schule?
An unseren Sonderschulen für blinde und sehbehinderte bzw. hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in Heiligenbronn und Baindt (mit Außenklassen) können die Schüler je nach Lernfähigkeit den Hauptschulabschluss, einen Förderschulabschluss oder einen Schulabschluss nach dem Lehrplan für geistig Behinderte erreichen. Je nach ihren Fähigkeiten steht ihnen nach Abschluss oder auch schon zuvor der Wechsel auf eine weiterführende Schule in einer anderen Einrichtung offen.
Die stiftung st. franziskus heiligenbronn bietet in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Schulabgängern mit Sinnes- und Lernbehinderung eine berufliche Ausbildung an in der eigenen Sonderberufsschule und in sechs Berufsfeldern der eigenen Ausbildungsbetriebe. Im Rahmen der Rehabilitation bietet die Stiftung ebenso Schulabgängern mit Sinnes- und Mehrfachbe-hinderung die Aufnahme in eine unserer Werkstätten oder in den Förder- und Betreuungsbereich an.

Verdienen die Menschen mit Behinderung in der Werkstatt etwas?
Die Arbeitsplätze in unserer Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder in unseren Blindenwerkstätten sind von der öffentlichen Hand unterstützte Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation. Wohnung und Lebensunterhalt (in den meisten Fällen innerhalb unserer Einrichtung) sind mit einem Pflegesatz über den Sozialhilfeträger abgesichert. Von dort erhalten sie auch einen Barbetrag als Taschengeld, sofern sie keinen Anspruch auf Blindenhilfe haben.
Für die geleistete Arbeit in der Werkstatt erhalten die Beschäftigten mit Behinderung aber ein Entgelt ausbezahlt, für das der Gesetzgeber eine Mindesthöhe festgesetzt hat (derzeit 67 EUR Grundbetrag plus 27 EUR Arbeitsförderentgelt). Unsere Werkstätten zahlen weiter als Leistungsanreiz einen gestaffelten Steigerungsbetrag, der nach dem Arbeitsergebnis bemessen ist. Die Finanzierung dieser Löhne muss aus den Erlösen des Werkstattbetriebes erfolgen.

Können die Menschen mit Behinderung in der Stiftung ihr ganzes Leben bleiben?
Ja, unsere Stiftung bietet Menschen mit Behinderungen Lebensraum auch für Erwachsene und Menschen im Ruhestandsalter. Für ältere sinnesbehinderte Menschen, die nicht mehr im Arbeitsprozess stehen, gibt es in Heiligenbronn spezielle Aktivierungs- und Freizeitangebote (siehe Seniorenbegleitung). In eini-gen Wohngruppen leben behinderte Menschen in höherem Alter, die auch bei Pflegebedürftigkeit hier betreut werden.

Wer zählt als blind, wer als sehbehindert?
Ein Mensch gilt in Deutschland als blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als zwei Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Das bedeutet, dass der Blinde einen Gegenstand, den ein Mensch mit 100 Prozent Sehkraft aus 100 Meter Abstand erkennt, erst aus zwei Metern Entfernung erkennt, falls er überhaupt noch einen Sehrest hat.
Dementsprechend sind auch die Abstufungen für sehbehinderte und hochgradig sehbehinderte Menschen getroffen: Ein Mensch ist sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit technischen Hilfsmitteln nicht mehr als 30 Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt (bzw. erst aus 30 Metern Entfernung, was dieser aus 100 Metern erkennt). Ein hochgradig Sehbehinderter sieht auf dem besseren Auge nur 5 Prozent im Vergleich zum normal Sehenden. (Angaben nach dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband)

Was versteht man unter Hörschädigungen?
Bei den Hörschädigungen wird nach dem Grad des Hörverlustes unterschieden:

Was bedeutet Mehrfachbehinderung?
Unter einer Mehrfachbehinderung versteht man das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Behinderungstypen, z.B. das gemeinsame Vorliegen einer Körperbehinderung und einer geistigen Behinderung. Die von der Behindertenhilfe in der stiftung st. franziskus heiligenbronn betreuten Kinder und Erwachsenen haben in der Regel eine Sinnesbehinderung. Bei den mehrfachbehinderten Menschen in der Stiftung kommen psychische, geistige und/oder körperliche Behinderungen hinzu, die spezielle Hilfen und individuelle Förderung erforderlich machen.

Wie funktioniert die Aufnahme in eine Schule der Stiftung?
Über die Aufnahme an eine der Sonderschulen der Stiftung für blinde und sehbehinderte bzw. hörgeschädigte Kinder und Jugendliche entscheidet das örtliche Schulamt. Die Eltern müssen einen Antrag einreichen gemeinsam mit einem ärztlichen Gesundheitszeugnis. Der Kontakt zur Beratungsstelle unserer Schule erfolgt sinnvollerweise schon zuvor. Über die Frühförderung stehen unsere Fachkräfte oft schon lange vor der Einschulung in Verbindung mit der Familie des behinderten Kindes.

Wie funktioniert die Aufnahme in die Werkstatt?
Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen oder Betreuer können sich wegen einer Aufnahme in unsere Behindertenwerkstätten an den Sozialdienst der Behindertenhilfe Erwachsene wenden. Dieser stellt die Möglichkeiten vor, klärt den Betreuungsbedarf und die Aufnahmemöglichkeiten auch mit der für die Bewilligung der Maßnahme zuständigen Agentur für Arbeit. Vor der Aufnahme besteht auch die Möglichkeit eines Probearbeitens und Probewohnens.

Welche Wohnformen gibt es für Menschen mit Behinderung in der Stiftung?
Die stiftung st. franziskus heiligenbronn bietet erwachsenen Menschen mit Sinnesbehinderungen unterschiedliche Wohnformen an: vollstationäre Wohngruppen an mehreren Standorten, Außenwohngruppen und Trainingsgruppen sowie die Betreuung im Ambulant-Betreuten Wohnen in mehreren Landkreisen.

Wie viele Menschen mit Behinderungen werden von der Stiftung insgesamt betreut?
In der Behindertenhilfe der stiftung st. franziskus heiligenbronn wurden zum Jahresende 2008 insgesamt 1055 Personen betreut, davon 624 stationär oder teilstationär und 431 ambulant (Beratung, Frühförderung, Kindergarten, Schule, Ambulant-Betreutes Wohnen). In der Einrichtung Heiligenbronn werden etwa 500 Menschen mit Behinderung betreut und gefördert bzw. unterrichtet. Die Zahlen auch aus den anderen Aufgabenfeldern werden jeweils im Jahresbericht der Stiftung veröffentlicht.

Woher kommen die Gelder für die Bauprojekte der Stiftung?
Bauprojekte in der Behindertenhilfe der stiftung st. franziskus heiligenbronn werden über öffentliche Förderung, Kapitalmarktmittel und Eigenmittel finanziert. Um für solche Investitionen eine Förderung zu erhalten, muss von den Behörden der Bedarf bestätigt sowie die fachliche Konzeption, die Eignung des Standorts und die Wirtschaftlichkeit der Bauausführung sowie der Finanzierung bestätigt werden. Je nach Maßnahme sind dafür die Schulverwaltung, die Arbeitsverwaltung oder die Sozialverwaltung gemeinsam mit den Finanzbehörden zuständig. Fördermittel für Investitionsmaßnahmen sind projektbezogen und dürfen nicht für den laufenden Betrieb verwendet werden.
Voraussetzung für eine Förderung ist auch, dass die Stiftung mindestens zehn Prozent der Baukosten als Eigenmittel aufbringt. Dazu zählen auch Zuschüsse an die Stiftung z.B. durch Aktion Mensch oder Spendengelder für dieses Projekt.
Die Refinanzierung der Investitionskosten erfolgt über den Investitionsbetrag als Teil des Pflegesatzes oder Entgelts für die Menschen mit Behinderung. Damit werden die Nettoabschreibung, Instandhaltungsmaßnahmen und Zinsaufwendungen gedeckt.