23.10.2017

Familien mit CHARGE-Kindern aus Baden-Württemberg trafen sich in Heiligenbronn

Gunther Meyer-Reinhard übersetzt den Vortrag von Taubblindenexperte David Brown

Taubblindenexperte David Brown aus den USA (rechts) referierte beim CHARGE-Treffen Baden-Württemberg in Heiligenbronn über Voraussetzungen für gelingende Inklusion, von Gunther Meyer-Reinhard (links) live ins Deutsche übertragen. Foto: stiftung st. franziskus heiligenbronn

Schramberg-Heiligenbronn.
Zum fünften CHARGE-Treffen für Baden-Württemberg lud die stiftung st. franziskus heiligenbronn betroffene Familien in Baden-Württemberg ein. Der Gastreferent, der international gefragte Taubblinden-Experte David Brown aus den USA, sprach über die Bedingungen von Inklusion für diese Kinder und Jugendlichen.

Kinder und Jugendliche mit CHARGE-Syndrom sind hörsehbehindert und haben weitere Probleme z. B. mit der Atmung, dem Schlucken, dem Essen und Trinken. Wie Direktor Dietmar Stephan vom SBBZ Sehen bei der Begrüßung zum CHARGE-Treffen ausführte, werden von der stiftung st. franziskus heiligenbronn zehn Kinder mit CHARGE-Syndrom in der Schule betreut und weitere 19 über die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Taubblindheit in ganz Baden-Württemberg.

Während die Kinder unter den rund 100 Teilnehmern Spielmöglichkeiten in den Klassenzimmern oder im Freien fanden, hörten die Erwachsenen den Vortrag von David Brown. Er berichtete von Schülern mit CHARGE-Syndrom, die erfolgreich auf eine Regelschule gegangen sind, aber auch von Kindern, die einen guten Abschluss an einer Sonderschule gemacht haben. Die Kinder seien so individuell und unterschiedlich, dass sie in jedem schulischen Kontext "etwas Inklusion" benötigten, resümierte Brown. CHARGE-Kinder hätten jedoch große Fähigkeiten gezeigt, die auftauchenden Hindernisse in der Inklusion mit fachlicher Unterstützung zu überwinden.

Aus Sicht von David Brown sei für Kinder mit diesem multiplen Syndrom die Taubblindenpädagogik für sie am hilfreichsten. Brown ging auf Voraussetzungen für die schulische Inklusion für CHARGE-Kinder ein und forderte ein multidisziplinäres Team auch mit Ergo- und Physiotherapeuten.

Eine angepasste Lernumgebung sei für diese Kinder wichtig. In der Kommunikation sollten verschiedene Wege angeboten werden wie z.B. Schrift, Gebärden, Punktschrift oder reale Gegenstände. Auch ein Gleichgewicht zwischen Gesundheit und Bildungsanforderungen im Schulalltag sei wesentlich. Brown zeigte verschiedene hilfreiche Methoden auf wie einen abgeschirmten Einzelarbeitsplatz.

Fragen der Eltern konnten mit David Brown auch in Einzelgesprächen besprochen werden. Am Nachmittag wurde das Thema "Inklusion" in einer Gesprächsrunde von unterschiedlichen Seiten beleuchtet: Der selbstbetroffene Christian Pawlak berichtete von seiner erfolgreichen Inklusion ins Berufsleben. Frau Schmidt aus Albstadt zeigte positive Faktoren wie auch Stolpersteine der Integration ihrer Tochter in Kindergarten und Schule auf. Dieser Erfahrungsbericht wurde ergänzt durch die Schilderungen des ehemaligen Klassenlehrers sowie der Sonderschulpädagogin Astrid Borck, die das Mädchen im Rahmen der Frühförderung und des Sonderpädagogischen Dienstes unterstützt hatte.

Wie bei jedem CHARGE-Treffen nutzten die Eltern die Möglichkeiten, untereinander und mit dem Fachpersonal aus Schule und Beratungsstelle in einen sehr regen Austausch zu kommen. Kommentar einer Mutter nach diesem Tag: "Ich habe mich wie ein 'Staubsauger' gefühlt, denn ich habe versucht, alles aufzusaugen."