28.07.2017

Außenwohngruppe Haus Sonnenberg verabschiedet sich aus der Talstadt

Gruppenleiterin Sabine Kopp mit ihren sieben blinden und sehbehinderten Bewohner stehen vor dem Haus Sonnenberg und nehmen Abschied.

Die Bewohner der Stiftungs-Außenwohngruppe Haus Sonnenberg mit Gruppenleiterin Sabine Kopp (dritte von links) vor ihrem Domizil, aus dem sie nun Abschied nehmen. Foto: Bormann

Schramberg.
15 Jahre lebten sie in der Schramberger Talstadt. Nun ziehen die sieben blinden und sehbehinderten Bewohner der Außenwohngruppe Haus Sonnenberg auf den Sulgen in das Haus Schramberger Straße oder in andere Wohngruppen der stiftung st. franziskus heiligenbronn. Der Abschied fällt ihnen nicht leicht, aber dankbar blicken sie und die fünf betreuenden Mitarbeiterinnen auf die Jahre gelebter Inklusion in der Talstadt zurück.

Das Haus Sonnenberg war 2002 die erste Außenwohngruppe der stiftung st. franziskus heiligenbronn mit sieben blinden und sehbehinderten Erwachsenen. Sie sind - mit fachgerechter  Schulung - weitgehend selbständig unterwegs, meist mit einem Langstock, helfen einander gegenseitig, fahren mit dem Linienbus nach Heiligenbronn in die Werkstatt für behinderte Menschen, gehen in die Fußgängerzone und die Geschäfte, zur Apotheke, zum Arzt oder ins Fitnessstudio, besuchen Veranstaltungen und samstags gemeinsam den Wochenmarkt. Nicht nur, dass sie allmählich zum Stadtbild gehörten, es entstanden auch viele persönliche Kontakte. Auch Therapiehund Gary war oft mit von der Partie. "Die vom Sonnenberg" gehörten einfach dazu und fühlten sich gut aufgehoben auch aufgrund kurzer Wege.

"Diese gelebte Inklusion und größtmögliche Normalität für alle", sagt Gruppenleiterin Sabine Kopp, "brauchte Zeit und Möglichkeiten, um zu wachsen und in der Form wie jetzt nach 15 Jahren sichtbar zu sein." Von daher ist der Abschied aus der Talstadt mit großem Dank an die Stadt und die Bürgerschaft verbunden. Die Schramberger, berichtet Sabine Kopp, hätten von Anfang an eine große Offenheit bewiesen und die blinden und sehbehinderten Mitbürger und sie ohne Aufhebens als selbstverständlich akzeptiert. Von der Stadt wurden nicht nur Ampeln und Wege barrierefreier gemacht, sondern kam auch so manche Hilfestellung wie Hinweise auf Baustellen.

Die jetzige Aufgabe des Hauses Sonnenberg durch die Stiftung hat mit dem wirtschaftlichen Druck zu tun, auf den die Leitung reagieren musste. Der Außenwohnbereich wird in Sulgen an zwei Standorten in der Schramberger Straße und im Schönblick konzentriert. Neben dem Haus Sonnenberg wurde auch schon das Haus Marienberg aufgegeben. Die dortige Gruppe zog bereits in die Schramberger Straße.

Erich Fuchs, Bereichsleiter Wohnen und Fördern in der Behindertenhilfe Heiligenbronn, verweist auf die Kostensituation: "Die Ausgaben waren jährlich höher als die Zahlungen des Kostenträgers." Deswegen wurde nach gruppenübergreifenden Lösungen gesucht, die Synergieeffekte mit sich bringen. Am Ziel der Inklusion wird jedoch nicht gerüttelt.

Die sieben Bewohner vom Sonnenberg ziehen in die anderen Außenwohngruppen Schramberger Straße und Schönblick, einer zog bereits in eine Heiligenbronner Wohngruppe. Hier wurden im Gespräch mit den Bewohnern und Angehörigen individuell passende Lösungen gesucht und gefunden.

Der Abschied aus der Talstadt Ende Juli steht also fest. Die festfreudige Gruppe vom Sonnenberg, die im April auch ihr 15-jähriges Jubiläum in der Talstadt beging, will sich noch von Freunden und Bekannten verabschieden und ihre Tage in der Talstadt gemütlich ausklingen lassen. Sie nehmen viele positive Erinnerungen mit. Auf dem Sulgen wird ein Neuanfang gemacht und auch hier Anschluss gesucht. Das Training der Wege hat schon begonnen.